Tagesmutter Katinka Stüpp

 

Unsere Hovawarthündin „Bacardi“

Das Thema „Kind und Hund“ verdient – wie ich finde – auf dieser Internetseite eine besondere Aufmerksamkeit. Für alle interessierten Familien, aber speziell für diejenigen, die selber keinen Hund oder andere Haustiere haben, möchte ich hier unsere Hündin „Bacardi“ und die Rasse „Hovawart“ im speziellen vorstellen.

 

Als bei uns die Entscheidung für einen Hund gefallen war, stand die Rasse schon lange fest. Mein Mann Joachim hatte als 18-jähriger eine Begegnung mit einem Hovawart-Rüden und seitdem war diese Rasse in seinem Kopf fest verankert. Wir haben uns reichhaltig informiert und lange überlegt, aber auch für den Rest der Familie stand am Ende fest:

Es soll ein Hovawart sein!

Über die Rasse

Der Hovawart ist eine sehr alte deutsche Gebrauchshunderasse. Der Name stammt aus dem Mittelhochdeutschen: Hova = der Hof und wart = der Wächter.

Aus seiner Herkunft als aufmerksamer "Wächter des Hofes" lassen sich die meisten Eigenschaften ableiten, die den Hovawart auszeichnen. Er war nicht als dümmlicher Bewacher am Eingang des Hofes angekettet, sondern ein eigenständiger Lagerhund, der mit seinem wachen Geist alles wahrnimmt, was um ihn herum passiert und der auf dem Bauernhof selbständig entscheiden musste, ob Gefahr im Verzug ist. Diese Selbständigkeit hat er bis heute behalten. Er ist ein wunderbarer Begleiter für Menschen, die in der Lage sind, dem Hund Regeln zu geben und auch durchzusetzen.

Gleichzeitig ist er ein aktiver Hund für aktive Menschen, die mit ihm trainieren und ihn körperlich und geistig auslasten. Er ist für Leute geeignet die keine Stubenhocker sind, Spaß an Bewegung haben und einen ursprünglichen Hund haben möchten. Wenn man bereit ist seinem Hovawart ein zuverlässiger und freundlicher Lehrmeister zu sein, bekommt man fast alles von ihm. Dieser Hund ist seinen Menschen treu ergeben, bewacht Haus und Garten und die dazugehörigen Haustiere. Fremden gegenüber ist er erst einmal mißtrauisch. Er ist kein Kläffer, er schlägt aber an und bewacht sein Haus vor Fremden. Wenn man ihm zeigt, dass die Besucher erwünscht sind, akzeptiert der Hovawart rasch, dass keine Diebe Einlass begehren, sondern dass sein Mensch liebe Gäste empfängt, die man zum Kraulen animieren kann. Er muss nur überzeugt sein, dass alles in Ordnung ist.

Seine Familie liebt er über alles und möchte am liebsten immer dabei sein. Kindern gegenüber ist dieser ausgeglichene Hund im allgemeinen sehr geduldig und tolerant.

Bacardi

Bacardis Einzug in unsere Familie ging eine lange Zeit der Überlegung und Vorbereitung voraus. Wir wollten uns wirklich sicher sein, dass der Zeitpunkt richtig war und alle Familienmitglieder einverstanden sind. Ein Hund in der Familie bedeutet Verantwortung für alle – darüber sollten sich auch alle im Klaren sein.

Meine Tätigkeit als Tagesmutter nahm in unseren Überlegungen einen großen Teil in Anspruch. Wichtig war am Ende vor allem ein Gesichtspunkt: Es musste ein Welpe sein, der von Anfang an mit den kleinen Kindern bei uns aufwächst. Lautes Rufen, Lachen, Kreischen, Weinen, Krabbeln, Laufen, Rennen, Springen – all das sollte für den Hund normal sein.

Nachdem wir also sorgsam nach einem Welpen Ausschau gehalten hatten, kam im August 2011 Bacardi im Alter von 8 Wochen zu uns nach Hause. Nach 4 Tagen Eingewöhnung ging

sofort der Alltag mit den Tageskindern los. Nach einer Woche begann die Welpenschule, inzwischen trainieren wir immer Samstags und Montags auf einem Hundeplatz für die Begleithundprüfung. Eine gute Ausbildung ist mir sehr wichtig: Schlecht hörende Hunde, die bei einem Spaziergang auf unsere noch kleinen Kinder zugelaufen kamen, sind mir noch in guter Erinnerung.

 

Natürlich braucht auch ein Hund – genau wie Kinder – Zeit für seine Entwicklung und Ausbildung.

 

 

Mit Bacardi erfüllen sich aber bisher alle unsere Erwartungen. Sie begleitet uns in unserem Alltag mit den Kindern und bei allen Aktivitäten. Im Haus, im Garten, im Wald, beim Boot- fahren, in der Stadt, im Restaurant – sie ist überall dabei. Draußen lebhaft und bewegungsfreudig, ist sie in unseren vier Wänden ruhig und ausgeglichen und bleibt auch einige Stunden alleine. Als Hovawart meldet sie jeden fremden Besucher an, dem sie dann, nachdem wir ihn begrüßt haben, freundlich begegnet. Die Tageskinder gehören für sie zur Familie und werden jeden Morgen freudig begrüßt.

Kleine Kinder und großer Hund – passt das überhaupt zusammen?

Viele Leute sind der Ansicht, wenn man schon Kind und Hund zusammen lässt, dann sollte es doch lieber ein kleiner Hund sein. Ich denke, dass die Größe nicht der entscheidende Punkt ist. Auch ein kleiner Hund kann einem Kleinkind großen Schaden zufügen. Für mich ist es selbstverständlich, dass Kind und Hund niemals ohne Aufsicht zusammen in einem Raum sind. Die Kinder haben vor einem großen Hund vielleicht sogar etwas mehr Respekt – und das ist schonmal ein guter Anfang.

 

Zusammen mit mir lernen die Kinder, wie sie Bacardi streicheln können, welche Spiele sie besonders mag und dass man einen Hund während des Fressens und Schlafens auf keinen Fall stören darf! Ich vermittle ihnen einen liebevollen und respektvollen Umgang, denn ein Hund ist weder Spielzeug noch Knuddelteddy. Wichtig ist auch: Die Kinder haben einen Platz, an den sie sich zurückziehen können – das Spielzimmer. Dieses ist absolut tabu für Bacardi.

Voneinander lernen und profitieren

Viele Regeln und Umgangsformen mit dem Hund können auf zwischenmenschliche Beziehungen übertragen werden. Die Beschäftigung mit dem Thema »Hund« wirkt sich auf die gesamte soziale Entwicklung des Kindes positiv aus. Rücksicht, Respekt, Verantwortung sind auch unter den Menschenkindern wichtige Beziehungsbausteine.

Das tägliche Zusammensein mit dem Hund wirkt sich bei vielen Kindern sehr schnell positiv aus: Manche Kinder haben Angst vor Hunden und lernen nun von Bacardi, dass auch ein großer Hund trotzdem sehr nett sein kann und gerne gestreichelt wird. Zu wissen, wie man sich einem Hund nähert, die Bereitschaft sich zu öffnen und die Nähe des Hundes zu genießen, gibt Sicherheit und Selbstvertrauen. Andere Kinder genießen von Anfang an die Gemeinschaft mit dem Tier, erleben Vertrauen und Nähe. Die positiven Auswirkungen von Tieren auf Kinder sind vielfältig wissenschaftlich belegt und sind beinahe täglich in körperlicher, psychischer, mentaler und sozialer Form spürbar. Tiere fühlen sich gut an, sie haben ein weiches Fell, eine warme Schnauze, einen ruhigen Atmen und genießen Nähe und Körperkontakt. Ohne Bedingungen daran zu knüpfen, zeigen Tiere uns spontan ihre Zuneigung. Sie spielen mit uns, hören zu, trösten und freuen sich über die Gesellschaft des Menschen.

So profitieren beide Seiten voneinander...